Ein paar persönliche Gedanken zur Aufnahme von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen aus Lagern

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Bei der Aufnahme von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen muss man sich bewusst sein, dass fast alle mehr oder weniger traumatisiert sein werden. Erfahrungen des Verlusts von Familie, Freunden, Flucht, Entwurzelung werden sie ein Leben lang begleiten, sollten sie noch Angehörige oder Freunde im Lager haben, die sie verlassen müssen, findet eine neuerliche Traumatisierung statt. Was das bedeutet, daüber machen sich die Wenigsten Vorstellungen. Es ist nicht abgetan, einen Schlafplatz zu finden oder kostenlose Deutschkurse anzubieten. Um den Kindern/Jugendlichen die notwendige Unterstützung zukommen zu lassen, sind kosten- und zeitintensive Therapien und Betreuung notwendig.  In Deutschland gibt es Diskussionen, dass es unvereinbar ist, dass ein deutscher Rentner weniger vom Staat erhält, als ein unbegleiteter Jugendlicher kostet. Der monatliche Betrag soll sich auf EUR 5.000 belaufen, ich kenne die Zahlen in Österreich nicht, vermutlich sind sie ähnlich, wenn nicht sogar höher. Warum sind diese Kinder/Jugendlichen unbegleitet? Gibt es wirklich keine Eltern mehr oder wurden sie nur vorausgeschickt?  Kommen große Gruppen junger Männer, deren Alter man nicht kennt und deren anerzogene Weltbilder von Frauen und männlicher Autorität nicht mit denen in unseren Kreisen herrschenden kompatibel ist? Nach welchen Maßstäben und aus welchem Blickwinkel wird das "Kindeswohl" bestimmt? 

Vielleicht wäre die Aufnahme von ein paar unbegleiteten Mädchen oder Mütter mit Kindern denkbar, aber nach welchen Kriterien wird eine Selektion vorgenommen?
Meiner Meinung bietet noch die Aufnahme einer/s Minderjährigen in eine österreichische Familie die besten Chancen, den Weg dieser Kinder/Jugendlichen positiv beeinflussen zu können, wobei man sich als Aufnehmender bewusst sein muss, worauf man sich einlässt. Die Unterbringung in einer betreuten Wohngemeinschaft, in der oft große Unruhe und  hohe Personalfluktuation herrschen, mit teils mangelhaft ausgebildetem Personal , halte ich dagegen für wenig bis gar nicht geeignet. 
Auch mir bricht das Herz, wenn ich die Bilder menschenunwürdigen Lebens in den Lagern sehe. 
Auch wenn ich es persönlich nachvollziehen kann, dass Menschen einen sicheren Hafen suchen, Europa/Österreich kann leider nicht alle aufnehmen die kommen wollen, auch wenn an unsere christlich -soziale Tradition appelliert wird. Meiner Meinung wäre eine klare Trennung von Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlingen, eine Besinnung auf die (historische) Verantwortung wohlhabender Staaten und - wo immer möglich - größtmögliche Hilfe vor Ort, ein effizienteres Krisen- und Asylmanagement und viele Maßnahmen mehr gefordert, würdige, sichere, sozial und ökonomisch ausgewogene Umgebungen zum Wohle aller in möglichst vielen Ländern zu schaffen. 
Was ist mit Millionen Kindern, auf deren Schicksal und prekäre Lebenssituationen derzeit kein Schlaglicht der internationalen Presse fällt? Auch sie wären es wert, kindgerecht gefördert, angenommen, versorgt und ins Herz geschlossen zu werden.


Und nein, ich bin nicht fremdenfeindlich, ganz im Gegenteil, ich habe nur Erfahrungen gesammelt. Ich habe nicht nur ein fremdes Kind als mein eigenes angenommen, ich habe auch einige Zeit Flüchlingsfamilien betreut, was mir prinzipiell große Freude bereitet hat.  Ich habe gesehen , wie viel an Sozialleistungen ausbezahlt werden und mit welcher Selbstverständlichkeit diese nach einiger Zeit eingefordert und ausgenützt werden. Flüchtlinge wollen manchmal selbst nicht, dass noch weitere kommen, um ihren Status nicht zu verlieren. 

Ich habe aber auch gesehen, wie Menschen sich sehr bemüht haben, unsere Sprache zu erlernen und sich zu integrieren. Hier wäre auch die Aufnahmegesellschaft gefordert, dies zu ermöglichen. Oft ist es schwer, meist bleiben Asylsuchende dann doch in ihren Communities unter sich. 
Ich durfte große Dankbarkeit und Gastfreundschaft erleben und habe von fremden Kulturen erfahren, was mein Leben sehr bereichert hat. Ich war berührt von ihren Schicksalen und blicke mit Demut auf ein Leben in einem der wohlhabendsten Länder dieser Welt. 
November 2020