Fazit
Es ist fast drei Jahre her (November 2020), dass unsere erwachsene, frühkindlich schwer traumatisierte (Adoptiv-)Tochter nach sehr schwierigen Jahren bei uns in eine vom Fonds Soziales Wien bereitgestellte Wohnung/WG namens "Transition" gezogen ist und ich bin unsagbar traurig mein Kind verloren zu haben. Mit ihrem Vater kann sich Indira gelegentlich kurz positiv austauschen, ich bin jedoch für sie das personifizierte Böse und ihr Verhalten mir gegenüber sei die gerechte Strafe. Meiner Meinung wird es langfristig kaum mehr möglich sein, sie in ein System zu integrieren, wo es Strukturen gibt, wo auf Anforderung Leistung zu erbringen ist, wo man sich an Grenzen und Regeln halten muss. Auch wird sich kaum mehr ihr negatives Bild mir gegenüber auflösen lassen, da sich ihre Vorstellungen im Laufe der Zeit immer mehr verfestigten. Wir können ihr Verhalten sehr genau abschätzen und wissen um ihre ambivalente, ständig wechselnde Gefühls- und Wahrnehmungswelt, der man unbedingt mit sehr viel Zeit und Geduld möglichst zeitnah etwas entgegensetzen und in die Realität rücken muss.
Sie hat sich immer dorthin hingezogen gefühlt, wo „Action“ herrschte , wo man unverbindlich bleiben konnte und sich keine Gedanken über eine sinnvolle Alltags-/Freizeitgestaltung machen musste. In der WG gibt es immer eine Menge Ansprechpersonen (ich habe bei meinen anfänglichen Besprechungen dort immer eine große Unruhe im Haus wahrgenommen), man kann kommen und gehen wann, tun und lassen was man will, es gibt Geld und eine eigene Wohnung (auch schon für 16Jährige!). Ohne Zwänge, Konsequenzen und alles bestimmend wollte sie immer leben, sie wird immer den Weg des geringsten Widerstands gehen. Außerdem lebt ihr derzeitiger Freund dort. Es sollten Grenzen gezogen/Regeln aufgestellt, Rituale eingeführt, die Sicherheit vermitteln und keinesfalls alle Forderungen erfüllt werden. Eine schwache Ich-Funktion braucht Unterstützung durch äußere Kontrolle, auch wenn eine enge Begleitung nicht immer altersgerecht erfolgen kann.
Die fixe Vorstellung sie "empowern" zu wollen, kam viel zu früh, erst wenn Kinder gelernt haben, verlässlich zu sein und sich an Regeln halten können, kann man sie in die Selbstständigkeit entlassen. Autonomieentwicklung braucht ein dichtes Maß an Strukturen, die Halt geben und viele gute, enge Bindungen! Indiras Selbstbewusstsein ist in den letzten Jahren durch das "Empowerment" der WG offensichtlich enorm gestiegen und dadurch ihre Allmachtsphantasien unendlich. Diese Vorgangsweise ist völlig kontraproduktiv zu dem was Indira bräuchte und was wohl in Österreich nicht durchsetzbar ist.
Wir haben den Leiter der Einrichtung immer wieder darauf hingewiesen, was sie bräuchte und auch das Gespräch mit dem Fonds Soziales Wien erfolglos gesucht.
In jeder Gesellschaft, in jedem Beruf, in jeder Familie gilt es Normen und Regeln einzuhalten ohne dass von einem Eingriff in Menschenrechte, Persönlichkeitsrechte, Gleichheitsrechte usw. gesprochen wird.
Es wird ihr dort ein Leben vorgegaukelt, dass sie für real hält und alles was wir 14 Jahre versucht haben ihr zu vermitteln, ist in ihren Augen falsch und gegen sie gerichtet gewesen und sie meint, ich hätte ihr Leben zerstört. Jetzt gibt man ihr offensichtlich das Gefühl, auch im Bezug auf mich, im Recht zu sein. All dies führt meiner Meinung nach langfristig keinesfalls zu einer Selbstständigkeit und einem geregelten Leben, sondern zur Annahme, dass es auch gute Alternativen gibt und sie wird sich von niemandem mehr eines besseren belehren lassen wollen.
Es ist mir schon klar, dass sie sich einigem entzogen hätte, aber sie hätte zumindest das Gefühl bekommen müssen, dass es auch woanders darum geht, gewisse Strukturen und Vereinbarungen einhalten zu müssen. Man sollte ihr auch klarmachen, wer ihr dieses wunderbare Leben in Österreich ermöglicht hat bzw. ermöglicht. Das versteht sie schon, denn dumm ist sie nicht.
Ein ehemaliger Betreuer in einer Jugendeinrichtung des Vereins Oasis, der erkannt hat, welch andere Vorgehensweise im Umgang mit Jugendlichen notwendig wäre, fand kein Gehör. Er erzählt, dass die Jugendlichen dort die BetreuerInnen über den Tisch ziehen, machen was sie wollen und dafür werden ihnen noch teure Urlaube bezahlt. Die Jugendlichen der "Transition" fuhren voriges Jahr in einer gefühlt langen Anreise nach Kroatien ans Meer und es gab selbstverständlich auch heuer in Coronazeiten einen Urlaub.
Wir haben ein Kind adoptiert, weil wir ihm eine Familie und Chancen im Leben bieten wollten, die es sonst nicht gehabt hätte. Ich glaube, dass die Familie der stärkste Anker im Leben eines Menschen ist, eine Familie mit all ihren Wertvorstellungen, kleinen und großen Bräuchen, Traditionen und Festen.
Dass wir sie aufgrund ihrer großen Beeinflussbarkeit, Spontanität und der Nichtabschätzbarkeit ihres Tuns und deren Auswirkungen leicht an Suchtmittel oder das kriminelle Milieu verlieren könnten, war uns bewusst. Aber dass wir sie an eine institutionelle Einrichtung verlieren, wo BetreuerInnen/SachbearbeiterInnen glauben, einen jungen, schwer frühkindlich traumatisierten Menschen, der die ersten fünf Jahre seines Lebens keine Eltern hatte, „empowern“ zu müssen indem man ihn gegen die Adoptiveltern unterstützt und entfremdet, konnten wir uns nicht vorstellen.
Der Leiter der Einrichtung meint, er sei nur unserer Tochter und nicht ihren Eltern verpflichtet und der Fonds Soziales Wien hatte noch nie eine Beschwerde über diese WG.
Personen, die nach dem Dienst/Arbeit nach Hause zu ihren Familien gehen und die gar nicht wissen, was das Verhalten unserer Tochter bedeutet und unseren Schmerz nicht ermessen können (und dies auch niemand interessiert), bestimmen unser Leben.
Diese Signale sind fatal, da Indira alles was sie (gegen mich) durchsetzt, als Triumph ansieht und sie in ihren Verhaltensweisen bestärkt. Man muss auch wissen, dass die Ablehnung meiner Person keinesfalls persönlich zu sehen ist, sondern dass Kinder ihren Schmerz und ihre Wut über die Weggabe durch die Herkunftsfamilie auf ihnen dann nahestehende Personen übertragen. Im Nachhinein wurden ALLE sozialen Kontakte/Lebenssituationen von ihr negativ und gegen sie gerichtet gesehen.
Ich weiß, dass ihre derzeitige Unterbringung destabilisierend auf ihre Persönlichkeitsentwicklung wirkt. Es gibt niemand mehr der sie liebt, leitet, lenkt, aber auch beschränkt.
Schwer frühkindlich Traumatisierte sind oft nicht fähig, angemessen soziale Kontakte aufzubauen und zu halten und haben keine oder kaum echte Freunde.
Auch wissen wir aus Erfahrung, dass man vieles was sie sagt, nicht als tatsächlich von ihr so gemeint nehmen kann, es kamen immer wieder verschiedene Seiten ihrer Persönlichkeit zum Vorschein. Hier ist ein permanenter Prozess der Bewusstmachung der Realität und der „Korrektur“ notwendig. Wir waren oft mit der Situation konfrontiert, dass sie uns wütend über längere Zeit großen Widerstand entgegenbrachte und besonders mein Mann sie immer wieder dazu bringen konnte diesen aufzugeben. Ihr Verhalten wurde ihr von einer Sekunde auf die andere bewusst, sie konnte dann ihr Tun sehr gut reflektieren und sich auch entschuldigen. Zur Veranlassung eines Sinneswandels haben wir nun leider keine Gelegenheit mehr. Diese Kinder können blitzschnell erfassen, womit sie andere treffen können und tun dies auch oft auf extrem verletzende Art als Antwort auf die Schmerzen, die man ihnen zugefügt hat.
Herr H. hat bei jedem Gespräch betont, die BetreuerInnen müssten eine Beziehung zu Indira aufbauen, was wie Hohn in meinen Ohren klang, da in ihrer Wahrnehmung diese die viel bessere Alternative zu ihren (Adoptiv-)Eltern eingenommen haben.
Wir waren 14 Jahre lang die einzigen stabilen Beziehungen ihres gesamten Lebens, es gibt auch noch über 80jährige Großeltern, die ihr immer zugetan waren und die die Welt nicht mehr verstehen.
Wie schreibt eine Ärztin, die sich seit Jahrzehnten mit der Erziehung von Pflege- und Adoptivkindern beschäftigt: „ Das große Leid, das diese Kinder erlebt haben, zeigt sich dann in ihrem hochproblematischen Verhalten, je älter sie werden umso mehr. Die zerstörerische Dynamik wächst sich nicht aus und wird immer schlimmer. Ein frühtraumatisiertes Kind kann in einem Heim in keiner Weise heilend begleitet werden. Diese Kinder brauchen unbedingt eine Familie, denn nach der Familie wird keiner mehr kommen, der das Kind so liebt, der so viel Zeit, Mühe, Geduld, Ausdauer und Kraft in das Kind investiert. (…) Außenstehende ziehen dann häufig die falschen, oft für das Schicksal des Kindes auch sehr tragischen und folgenreichen Schlüsse.“ Diese Erkenntnisse kamen leider zu spät.
Die, die von der zerstörerischen Verhaltensdynamik des Kindes keine Ahnung haben, fordern dann: „Ihr müsst loslassen, dann wird alles besser“ oder „Lasst dem Kind mehr Raum“. Auch der wohlgemeinte Rat: „Distanz schafft Nähe“ mag für sicher gebundene Jugendliche zutreffen aber nicht für frühkindlich Traumatisierte. Hier gilt: „Aus den Augen, aus dem Sinn“.
Der Fonds Soziales Wien hat für den Versorgungsplatz unserer Tochter einen Satz von € 298,00 pro Tag eingestellt, was einem Spesensatz pro Monat von ca. € 9.000,00 ! entspricht. Ich denke, dass sich vergleichbare Einrichtungen über derart hohen Kostensätze freuen würden. Wie rechtfertigen PolitikerInnen den ungerechten Sozialtransfer vor BezieherInnen von Mindestpensionen oder geringverdienenden AlleinerzieherInnen??
Dem Vernehmen nach soll es auch Probleme bei der laufenden Finanzierung des Projektes geben.
Wie der Name "Transition" sagt, ist das nur ein Übergangsplatz, den sie irgendwann verlassen muss. Was wird dann sein, wenn kein 9.000,00 €-Platz zur Verfügung steht?
Auf Indiras Seite stehen derzeit alle Rechte, auch das Recht zu erben, auf unserer Seite alle Pflichten. Eltern nicht erwerbsfähiger Kinder sind bis an ihr Lebensende gesetzlich verpflichtet für deren Unterhalt aufzukommen.
Was uns geblieben ist, ist die Erinnerung. Die Erinnerung an eine hübsche Tochter, die wir sehr lieben, die ein besonderes Kind war, mit der wir gespielt und gelacht haben, die Tiere und kleine Kinder liebt, die hilfsbereit, kreativ und begeisterungsfähig ist und trotz ihrer schweren seelischen Verwundungen die Ansätze vieler positiver Eigenschaften in sich trägt.
Eine Erinnerung die täglich hochkommt, besonders aber zu Weihnachten, Geburtstagen, Familienfesten oder Mutter-/Vatertag. All das, was Mütter an ihre Töchter weitergeben, geht verloren. Wir können nicht mehr Anteil an ihrem Leben nehmen und doch weiß ich, dass sie nicht allzu weit weg wohnt, eine Trauer ohne Ende.
Übrigens haben wir ihre Wohnung bis heute nicht gesehen, vor kurzem konnte sie sogar eine größere Wohnung beziehen.
Ich frage mich oft, ob sich Menschen, wenn sie ein Kind auf diese Weise verlieren würden, mit Floskeln wie „da könne man nichts machen“ und ich solle doch eine Selbsthilfegruppe oder eine Psychotherapie besuchen, zufrieden geben würden. Woher nehmen Menschen die Überheblichkeit wissen zu wollen, was für mich oder mein Kind am besten ist, die - ohne eigene Erfahrungen - glauben be- und verurteilen zu können??
In früheren Zeiten wurden psychisch Beeinträchtigten vielfach großes Unrecht zuteil, aber derzeit scheint es mir überbordend in die andere Richtung zu gehen. Allen Menschen, die glauben „armen“ psychisch Kranken zu ihrem Recht verhelfen zu müssen, sei aus meiner Sicht gesagt, dass Außenstehende und auch die Kranken selbst oft nicht abschätzen können, was zu ihrem Wohle und auch Schutz vor sich selbst und anderen dient. Auch können sich Außenstehende, die noch nie mit psychisch Kranken zusammengelebt haben, das Ausmaß des devianten Verhaltens, Gefühls- und Denkweisen, den mangelnden Realitätsbezug und das Unvermögen zur (Selbst-)Reflexion hochproblematischer, frühkindlich schwer Traumatisierter gar nicht vorstellen, ziehen daraus völlig falsche Schlüsse und Beurteilungen, da der junge Mensch in vielen Situationen „normal“ erscheint. Nicht alles lässt sich durch traumatische Folgeerscheinungen entschuldigen, oft steckt in ihrem Verhalten auch berechnendes Kalkül. Diese jungen Menschen sind nicht mit bei uns vorherrschenden Maßstäben und Normen zu messen.
Ich bin daher der Meinung, dass man im Einzelfall abwägen muss, ob bei Forderungen/Aussagen von frühkindlich Traumatisierten ein realer Hintergrund oder die schwere psychische Beeinträchtigung zugrunde liegt und dazu müsste man alle Beteiligte zu Wort kommen lassen, auch bei bereits "erwachsenen" Personen. Bei Problemen wird immer die besondere Schutzbedürftigkeit und eben die eingeschränkte Zurechnungsfähigkeit angeführt, aber andererseits tut man so, als wären diese Beeinträchtigungen nicht vorhanden. Entschieden/beurteilt sollte dies von Personen werden, die dies tatsächlich entscheiden können und auch die Gegebenheiten kennen. Meinen Erfahrungen nach herrscht auch unter "Experten" eine große Unwissenheit über die Auswirkungen und den Umgang mit Traumatisierungen und die, die am lautesten schreien, haben meist am wenigsten Ahnung.
Es ist mir bewusst, dass meinen Ausführungen teilweise heftig widersprochen werden. Nicht alles was als Mainstream-Paradigma gilt, muss sinnvoll und richtig sein. Wenn man anderer Meinung ist, ist man als Privatperson staatlichen Einrichtungen hilflos ausgeliefert und wird nicht gehört. Ein Arzt hat mir einmal gesagt, dass er glaubt, die meisten Eltern hätten die größte Kompetenz für ihre Kinder. Dies wird leider nicht immer so gesehen. Die teilweise kinderlosen BetreuerInnen sind offensichtlich der Meinung nur ihre Vorgehensweise sei richtig und zielführend.
Auch ist dies mein derzeitiger Informationsstand - November 2020 (zu Corona-Zeiten hat man sich vielleicht doch ein anderes Konzept in der "Transition" überlegen müssen).
Die Kommunikation mit der WG wurde immer schlechter, obwohl ich eine Vertretungsbefugnis für meine Tochter hatte, wurde uns vieles verschwiegen, man fand es nicht der Mühe wert uns einzubeziehen, 14 Jahre Erfahrungen wurden negiert oder es wurden Dinge gar nicht, unrichtig oder nicht eingängig genug mit Indira besprochen. Da die WG-Mitarbeiter nie mit uns Rücksprache hielten, festigte sich Indiras vorgefasste Meinung, besonders mir gegenüber. So ist sie z.B. der Meinung, die Befugnisse des Anwalts, der jetzt ihre Belange vertritt, wären um vieles geringer als die, die ich hatte, was jedoch nicht der Realität entspricht.
Versprechen seitens der WG wurden nicht eingehalten, ich wurde böse hereingelegt, BetreuerInnen versprachen Indira völlig unrealistische Dinge (z.B. dass man ihr helfen wird, ihre leiblichen Eltern zu finden!) oder mehrere BetreuerInnen bestätigten ihr, dass medizinische Diagnosen aus der Vergangenheit falsch waren. Von einer Zusammenarbeit zum Wohl Indiras wie anfangs versprochen, kann keine Rede sein.
In der "Transition " herrscht auch offensichtlich ein großes administratives Chaos.
Niemand in unserer Umgebung, der die schwierige Situation mit unserer Tochter und unseren Kampf für sie mitverfolgen konnte, kann die Vorgehensweise der WG verstehen. Auch wenn ich mich von den sehr sporadischen, persönlichen Gesprächen mit dem Leiter der Transition zurückgezogen habe, da diese für mich zu schmerzvoll, realitätsfremd, aber auch wutgeladen und von Resignation geprägt waren, führt mein Mann diese weiter, aber es gibt kaum mehr eine Gesprächsbasis. Ich wurde offensichtlich zur „persona non grata“ erklärt, es erreichten mich keine Anrufe, weder von der WG, noch auf meine Bitte vom Fonds Soziales Wien.
Ich glaube auch, dass viele hochproblematische Kinder/Jugendliche keine Eltern haben, die sich um sie kümmern können oder wollen und es daher diese Einrichtungen nicht gewohnt sind, dass man ihnen reale Lebenserfahrungen entgegensetzen kann. Auch bin ich der Überzeugung, dass sie keine grundlegend neuen Kompetenzen durch die WG dazulernen konnte, nur das Selbstbewusstsein, dass ihr derzeitige Lebensführung angemessen ist.
Ich habe auch Erfahrungen mit „anderen“ Kindern, ich bin auch Mutter eines leiblichen Kindes.
Im Sinne des Gleichbehandlungsgesetzes würde ich vorschlagen, dass alle jungen, psychisch beeinträchtigten Menschen die Unterstützung brauchen, bei der Transition oder beim Fonds Soziales Wien (Tel. 01/24524) anrufen um auch in den Genuss einer Wohnung, Geld und umfassender Betreuung zu gelangen.
Nicht nur ich, sondern auch Politiker im Beirat erzählen, dass auch sie kaum Anworten vom Fonds Soziales Wien auf Anfragen bekämen und dass dieser äußerst intransparent aufgestellt sei . Ich möchte diese Einrichtung nicht prinzipiell in Frage stellen, aber doch die gesellschaftspolitische Relevanz hervorheben und das, was man mit einzelnen Interventionen/Einrichtungen erreichen möchte, hinterfragen.
Man sollte den (jungen) Menschen auch klar machen, dass es auch Pflichten und Leistungsbereitschaft und nicht nur ein grenzenloses Anspruchdenken an den Staat, das zur Selbstverständlichkeit geworden ist, gibt. In Corona-Zeiten hat sich gezeigt, dass viele Menschen Vorgaben und Gesetze brauchen, dass das Vertrauen auf Eigenverantwortung nicht reicht. Um so mehr bräuchten Menschen wie Indira, die aus ihrer Blase aus "Verschwörungstheorien" nicht mehr herausfinden, Orientierung und Sicherheit. Sie lebt nicht im Hier und Jetzt, sieht sich immer als Opfer, wodurch ihre Wutgefühle ständig befeuert werden.
Meiner Meinung nach, sollte man auch nicht nur den völlig realitätsfernen Mitarbeitern von NGOs oder im Sozialbereich Tätigen, die am lautesten schreien, Raum für Forderungen zur Umsetzung all dieser Ansprüche geben. Die Gesetze werden dann von ahnungslosen, fern jeder Praxis arbeitenden Personen formuliert und beschlossen, die keine Ahnung haben, dass auch Personen vor sich selbst geschützt werden sollten, die dies nicht erkennen.
Es ist schon klar, dass die Schwächsten einer Gesellschaft geschützt werden sollten, aber es sollte auch Mechanismen geben, die die Gesetze, die Kosten, die Sinnhaftigkeit und den Missbrauch von sozialen Leistungen mit "Hausverstand" und Augenmaß evaluieren. Der österreichische (Sozial-)Staat kann nur funktionieren, wenn jeder, so gut er kann, seinen Beitrag leistet, eine Gesellschaft besteht nicht nur aus Einzelindividuen.
Wenn Ihnen jemand erzählt welch furchtbare Kindheit und Jugend er hatte, kann das so sein - muss es aber nicht.
Bibliografie/Erfahrungen
14 Jahre eigene Erfahrungen
Bonus, Bettina. 2006. Mit den Augen eines Kindes sehen lernen Bd.1: Zur Entstehung einer Frühtraumatisierung bei Pflege- und Adoptivkindern und deren mögliche Folgen. Norderstedt: Books on Demand GmbH
Bonus, Bettina. 2008. Mit den Augen eines Kindes sehen lernen Bd.2: Die Anstrengungsverweigerung . Norderstedt: Books on Demand GmbH
Bonus, Bettina. 2010. Mit den Augen eines Kindes sehen lernen Bd.3: Liebe und nachtragende Konsequenz – eine spezielle Pädagogik für aggressive, regelverletzende, grenzüberschreitende Pflege- und Adoptivkinder. Norderstedt: Books on Demand GmbH
Bonus, Bettina. 2016. Mit den Augen eines Kindes sehen lernen Bd.4: BONUS-METHODE – eine Skizzierung am Beispiel Lügen und Stehlen. Norderstedt: Books on Demand GmbH
Hantke Lydia/Görges Hans-J.2012. Handbuch Traumakompetenz. Basiswissen für Therapie, Beratung und Pädagogik. Paderborn: Jungfermann Verlag
Perry, Bruce D./Szalavitz, Maia. 2008. Der Junge, der wie ein Hund gehalten wurde . Was traumatisierte Kinder uns über Leid, Liebe und Heilung lehren können. München: Kösel-Verlag
Van der Kolk, Bessel. 2015. Verkörperter Schrecken. Traumaspuren in Gehirn, Geist und Körper und wie man sie heilen kann. Lichtenau: Probst Verlag
Wiemann, Irmela. 2007. Zusammenleben mit seelisch verletzten Kindern.
http://www.agsp.de/assets/applets/Seelisch_verletzte_Kinder_11-8-02.pdf
u.a.
Fotos: privat